Schwerpunkt

Ernährungstherapie bei Essstörungen

Einfühlsame Ernährungstherapie bei Magersucht, Bulimie und Binge-Eating — ergänzend zur Psychotherapie. In Ihrem Tempo, in Wien und Online.

Diätologin Susanne Flandorfer – Ernährungstherapie bei Essstörungen in Wien

Behutsame Begleitung in Wien und Online

Eine Essstörung verändert den gesamten Alltag. Essen wird zur Belastung, der eigene Körper zum Gegner, und oft bleibt das Gefühl, allein damit zu sein. Wenn Sie diesen Text lesen, haben Sie bereits einen wichtigen Schritt gemacht.

Ich begleite Menschen mit Magersucht, Bulimie, Binge-Eating und atypischen Essstörungen auf dem Weg zurück zu einem unbeschwerteren Umgang mit dem Essen — fachlich fundiert, einfühlsam und in Ihrem Tempo.

Diese Seite bietet einen Überblick über das Thema Essstörungen und richtet sich besonders an Angehörige. Wenn Sie selbst betroffen sind, finden Sie ausführliche Informationen zur Begleitung auf der Seite Ernährungstherapie bei Essstörungen für Erwachsene — junge Frauen werden auf der Seite Ernährungstherapie für junge Frauen begleitet.

Was sind Essstörungen?

Essstörungen sind ernstzunehmende psychische Erkrankungen, die sich durch ein gestörtes Verhältnis zum Essen, zum eigenen Körper und oft auch zu sich selbst äußern. Sie sind keine Lifestyle-Entscheidung, keine Phase und kein Ausdruck mangelnder Willenskraft.[1]

Magersucht

Anorexia nervosa

Betroffene schränken ihre Nahrungsaufnahme stark ein, haben intensive Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Körperbild. Magersucht kann auch in einer atypischen Form auftreten — mit denselben belastenden Gedanken und Verhaltensweisen, aber ohne sichtbares Untergewicht.[2]

Bulimie

Bulimia nervosa

Wiederkehrende Essanfälle wechseln sich mit kompensatorischem Verhalten ab — etwa Erbrechen, übermäßigem Sport oder Fasten. Viele Betroffene wirken nach außen unauffällig, leiden aber innerlich unter einem enormen Leidensdruck.

Binge-Eating-Störung

Regelmäßige Essanfälle ohne anschließende Gegenmaßnahmen, begleitet von Kontrollverlust und starken Scham- und Schuldgefühlen.

Atypische Formen

Mischformen & andere Ausprägungen

Nicht jede Essstörung passt in eine Kategorie. Mischformen und andere Ausprägungen sind ebenso behandlungsbedürftig — auch wenn sie weniger bekannt sind.[1]

Diese Übersicht dient der Orientierung. Die Diagnose einer Essstörung sollte durch eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson erfolgen.[1]

Warnsignale — woran erkenne ich eine Essstörung?

Essstörungen entwickeln sich oft schleichend. Die folgenden Anzeichen können auf eine Essstörung hindeuten — bei Ihnen selbst oder bei einer nahestehenden Person:

Verändertes Essverhalten

  • Mahlzeiten werden regelmäßig ausgelassen oder stark eingeschränkt
  • Starre Essensregeln (z. B. strenge Kaloriengrenzen, verbotene Lebensmittel)
  • Heimliches Essen oder Kontrollverlust beim Essen
  • Übermäßige Beschäftigung mit „gesunder" Ernährung, Kalorien oder Nährwerten

Emotionale Anzeichen

  • Gedanken kreisen ständig um Essen, Gewicht und Körper
  • Schuldgefühle oder Scham nach dem Essen
  • Sozialer Rückzug, besonders bei gemeinsamen Mahlzeiten
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit

Körperliche Veränderungen

  • Deutliche Gewichtsveränderungen (Zu- oder Abnahme)
  • Ausbleiben der Menstruation
  • Ständiges Frieren, Müdigkeit, Schwindel
  • Verdauungsbeschwerden

Wenn Sie mehrere dieser Anzeichen bei sich oder einer nahestehenden Person erkennen, kann professionelle Unterstützung helfen. Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Besserung.

Welche Rolle spielt die Ernährungstherapie?

Die Behandlung von Essstörungen stützt sich auf mehrere Säulen — Psychotherapie, ärztliche Betreuung und Ernährungstherapie. Diese Bereiche ergänzen sich und wirken am besten zusammen.[1][2]

Was Ernährungstherapie leisten kann:

  • Mahlzeitenstruktur aufbauen: Konkrete Unterstützung bei der Frage, was, wann und wie viel gegessen werden kann — ohne starre Diätpläne
  • Ängste rund ums Essen bearbeiten: Schrittweises Heranführen an vermiedene Lebensmittel (Exposition)[3], Umgang mit Portionsgrößen und Sättigungssignalen
  • Körpersignale wiederentdecken: Hunger und Sättigung wurden oft über Jahre unterdrückt — Ernährungstherapie hilft, diese Signale wieder wahrzunehmen
  • Ernährungsmythen auflösen: Viele Betroffene haben durch Diäten, Social Media oder die Erkrankung selbst ein verzerrtes Bild davon, was „normales" Essen ist
  • Medizinische Stabilisierung unterstützen: Bei Untergewicht, Mangelernährung oder körperlichen Folgeschäden arbeitet die Ernährungstherapie eng mit der ärztlichen Behandlung zusammen

Die Forschung zeigt, dass die Einbeziehung einer Diätologin in die Behandlung von Essstörungen die Therapieergebnisse verbessern kann.[4]

Was Ernährungstherapie NICHT ist:

  • Kein Diätprogramm und kein Abnehmprogramm
  • Kein Ersatz für Psychotherapie oder ärztliche Behandlung
  • Kein Kalorienzählen oder Wiegen als Kontrollinstrument

Als Diätologin gehöre ich zu den gehobenen medizinisch-therapeutischen Gesundheitsberufen (MTDG). Tätigkeiten der MTD-Berufe dürfen im Humanmedizinbereich nur von entsprechend berechtigten Personen ausgeübt werden; für die Diätologie ist die ernährungsmedizinische Behandlung im Gesetz definiert.[5]

Häufige Missverständnisse über Essstörungen

„Man sieht eine Essstörung am Gewicht."

Essstörungen sind nicht zuverlässig am Gewicht erkennbar. Atypische Anorexie, Bulimie und Binge-Eating-Störung können von außen unauffällig wirken.[2]

„Essstörungen sind eine Phase, die von selbst vorbeigeht."

Essstörungen sind anerkannte psychische Erkrankungen mit teils schwerwiegenden körperlichen Folgen. Ohne professionelle Behandlung können sie sich verfestigen. Frühe Intervention verbessert die Chancen auf Besserung.[1]

„Es braucht nur mehr Disziplin."

Essstörungen haben biologische, psychologische und soziale Ursachen. Sie lassen sich nicht durch Willenskraft überwinden. Professionelle, interdisziplinäre Behandlung ist der wirksamste Weg.[2]

„Nur junge Frauen sind betroffen."

Essstörungen betreffen nicht nur junge Frauen. Sie können Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts betreffen.[1]

Wann ist der richtige Zeitpunkt, Hilfe zu suchen?

Es ist nicht schlimm genug.

Andere haben es viel schlimmer.

Ich müsste das alleine schaffen.

Was werden andere denken?

Diese Gedanken gehören oft zur Erkrankung selbst. Die Wahrheit ist: Sie müssen nicht an einem Tiefpunkt sein, um Hilfe zu verdienen. Und Sie müssen nicht alles alleine schaffen.

Wenn Essen Ihren Alltag bestimmt, Sie unter Schuldgefühlen leiden oder Ihre Gedanken ständig um Essen und Körper kreisen — dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt.

Ein erster Schritt kann ein unverbindliches, kostenloses Telefongespräch sein. Dabei klären wir gemeinsam, ob und wie eine Ernährungstherapie in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Hinweise für Angehörige

Wie Sie unterstützen können

Eine Essstörung betrifft nie nur die erkrankte Person. Eltern, Partner:innen, Geschwister und Freund:innen stehen oft vor der Frage: Wie kann ich helfen, ohne etwas falsch zu machen?

Das Wichtigste vorweg: Sie sind keine Therapeut:in – und das müssen Sie auch nicht sein. Sie können und müssen nicht alles „richtig“ machen. Ihre Rolle ist nicht, die Therapie zu ersetzen, sondern im Alltag Halt zu geben, Orientierung zu bieten und dranzubleiben, auch wenn es schwierig wird. Für die Behandlung und die therapeutischen Entscheidungen ist das Betreuerteam zuständig – Ärztin, Psychotherapeutin und Diätologin. Sie dürfen entlastet sein: Es geht nicht um Perfektion, sondern um hilfreiche, menschliche Unterstützung.

Die folgenden fünf Orientierungspunkte basieren auf dem New Maudsley Approach — einem wissenschaftlich fundierten Modell, das Angehörige gezielt in den Genesungsprozess einbezieht (Treasure, Smith & Crane, 2017).[6]

  1. Die Erkrankung von der Person trennen

    Viele Verhaltensweisen — Lügen über das Essen, Wutausbrüche bei Mahlzeiten, Rückzug — werden nicht bewusst gewählt. Sie sind Ausdruck der Erkrankung, nicht des Charakters.

  2. Ruhig und beständig begleiten

    Am hilfreichsten ist ein ruhiger, beständiger Umgang: Da sein, ohne zu drängen. Beobachten, ohne zu bewerten. Begleiten, ohne zu übernehmen.

  3. Vorwürfe und Kritik reduzieren

    Wie Sie kommunizieren, macht einen Unterschied. Offene Ich-Botschaften („Ich mache mir Sorgen, weil …") wirken anders als Vorwürfe („Warum isst du nicht einfach normal?").

  4. Selbstfürsorge ernst nehmen

    Die Begleitung ist kräftezehrend. Damit Sie langfristig unterstützen können, brauchen auch Sie Entlastung — sei es durch eigene Beratung, Selbsthilfegruppen oder Pausen.

  5. Genesung braucht Zeit

    Der Weg verläuft selten geradlinig. Veränderungsbereitschaft entwickelt sich schrittweise. Das zu verstehen, hilft, Geduld aufzubringen.

Unterstützung für Angehörige von Menschen mit Essstörungen von Janet Treasure, Grainne Smith & Anna Crane (2017) — ein praxisnaher Leitfaden für Eltern, Partner:innen und Fachpersonal.

Anlaufstellen für Angehörige

Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. In Wien gibt es Anlaufstellen, die sich gezielt an Angehörige von Menschen mit Essstörungen richten — für Austausch, Entlastung und fachliche Begleitung:

  • Der Anker Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige mit interdisziplinärer Beratung und regelmäßigen Angehörigenabenden
  • intakt — Eltern- & Angehörigenabende Therapiezentrum für Essstörungen mit offenen Abenden für Eltern und Angehörige — vor Ort und online
  • sowhat Kompetenzzentrum für Menschen mit Essstörungen mit kassenfinanziertem Therapieangebot und Unterstützung für Angehörige

Der erste Schritt

Sie müssen nicht alles alleine schaffen. In einem kostenlosen Telefongespräch klären wir gemeinsam, ob und wie ich Sie unterstützen kann. Dieser Anruf ist unverbindlich und vertraulich.

Detaillierte Informationen zu Ablauf, Voraussetzungen und Kosten finden Sie auf den jeweiligen Leistungsseiten.

Quellenverzeichnis

  1. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Eating disorders: recognition and treatment. NICE guideline NG69. 2017 (updated 2020). nice.org.uk/guidance/ng69
  2. Herpertz S, et al. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen. 2. Aufl. Springer; 2019. DOI: 10.1007/978-3-662-59606-7
  3. Butler RM, Heimberg RG. Exposure therapy for eating disorders: A systematic review. Clinical Psychology Review. 2020;78:101851. DOI: 10.1016/j.cpr.2020.101851
  4. Yang Y, Conti J, McMaster CM, Hay P. Beyond Refeeding: The Effect of Including a Dietitian in Eating Disorder Treatment. A Systematic Review. Nutrients. 2021;13(12):4490. DOI: 10.3390/nu13124490 . PMC: PMC8706437
  5. Bundesgesetz über die gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTDG). BGBl. I Nr. 46/2024, §§1, 2, 7. RIS
  6. Treasure J, Smith G, Crane A. Skills-based Caring for a Loved One with an Eating Disorder: The New Maudsley Method. 2nd ed. Routledge; 2017.

Jemand in Ihrem Umfeld braucht Hilfe?

Wenn Sie sich als Angehörige:r in einer belastenden Situation befinden oder bemerken, dass eine nahestehende Person in einer Krise steckt — zögern Sie nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Diese Stellen sind auch für Angehörige erreichbar:

  • Telefonseelsorge Rund um die Uhr
    142
  • Rat auf Draht Krisentelefon für Kinder und Jugendliche
    147
  • Psychiatrische Soforthilfe Wien Notruf rund um die Uhr
    01/31330
  • Rettung Bei akuter Gefahr für Leib und Leben
    144
  • Europäischer Notruf Bei akuter Gefahr für Leib und Leben
    112

Auch als Angehörige:r dürfen Sie sich Unterstützung holen — für sich selbst und für die Person, um die Sie sich sorgen.

Letzte fachliche Überprüfung: · Susanne Flandorfer, BSc BSc, Diätologin